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Bauer Marianne

Bauer Marianne

Marianne Bauer
05.April 1921 Frankfurt am Main - 2012
Studium: Autodidaktin
Technik: Öl / Rupfen
Abmessung ohne Rahmen: 120cm * 80cm.
Abmessung mit Rahmen: 122cm * 82cm.
Signiert rückseitig
Entstehungszeit ca. 1975
Titel: Abstrakt
Rahmung: Rahmenleiste

Marianne Bauer wurde 1921 in Frankfurt am Main geboren. 1929 zog sie mit der Familie nach Hagen in Westfalen. Dort besuchte sie von 1931 bis 1937 das Hildegardis Oberlyzeum und danach bis 1939 die Höhere Handelsschule, Hagen, die sie mit dem Handelsabitur abschloss. 1943 heiratete sie und bekam später eine Tochter und zwei Söhne. 1965 zog die Familie nach Garmisch-Partenkirchen, 1988 nach Bad Neustadt an der Saale. nach dem Tod ihres Mannes zog Bauer 1996 wieder in ihre alte Heimatstadt Frankfurt am Main. 1997 zog Bauer erneut nach Hagen. 2007 erfolgte ein weiterer Umzug nach Bad Neustadt an der Saale.

Erst mit 50 Jahren begann Bauer zu malen, nachdem sie 1965 mit ihrem Mann von Hagen nach Garmisch-Partenkirchen gezogen war. Die ersten Bilder von Marianne Bauer aus den Jahren 1973 bis 1975, Blumenmotive, Stillleben und Landschaften, zeigen die frühe Annäherung an die Farbe.

Sie begann als Autodidaktin und hatte das Glück, über die Volkshochschule auf Rudolf Härtl zu treffen, einen Fritz Winter-Schüler, der sich der konstruktivistischen Kunst verschrieben hatte. Er führte Marianne Bauer an die Farbabstraktion heran. Die weiteren Bilder, die ab 1976 entstanden, zeigen eine zunehmende Farbabstraktion (oder Reduktion), bei der vor allem farbserielle Elemente überwiegen. Der von Rudolf Härtl vermittelte Einfluss des Bauhauses ist sichtbar. Bauhaus-Künstler wie Itten und Albers wurden für Marianne Bauer eine wichtige Anregung. Ihr Lieblingskünstler war jedoch der Meister der Farbintuition Mark Rothko.

Trotz der intensiven Auseinandersetzung mit den oben genannten Künstlern und trotz der Anerkennung, die ihr Frühwerk fand, entwickelte Marianne Bauer zunehmend eine große Eigenständigkeit sowohl in ihrem Umgang mit der Farbe als auch in ihren Bildkompositionen.

Bei Marianne Bauer ist Kunst nicht aus mathematischen – wie in der mathematischen Kunst – oder seriellen Überlegungen entstanden, sondern aus dem Wunsch, Farben in ihren Zusammenhängen und Wirkungen zueinander zu gestalten und diese Farben zu Kunst werden zu lassen. Da es ihr um Farben ging, suchte sie Wege, diese Farben so weit wie möglich zu abstrahieren, die Farben auf ihre Wirkungen zu reduzieren. Allerdings ist sie nie bis hin zu einfachen Farbtafeln gegangen. Bezeichnenderweise hieß die Künstlergruppe, der sich Marianne Bauer 1979 anschloss, „GRUPPE REDUCTION“.

Der Reiz der Bilder ist unter anderem auch eine Funktion ihrer Präzision, zu der einige Worte zu sagen sind. Die Farbsequenzen scheinen exakt mathematisch kalkuliert und in Farbmischungen auf Basis mathematischer Berechnungen umgesetzt. Das entspricht aber nicht der Wirklichkeit.

Bei Marianne Bauer sind die Bilder Ergebnis farblicher Intuition. Ihr Ziel ist es nicht, serielle Farbabläufe zu erzeugen, die auf das Auge bloß anregend wirken, sondern das Eigentliche der Farbe herauszufinden und in einem Bild einzufangen. Was sie immer fasziniert hat, wonach sie suchte, war das Geheimnisvolle der Farbe und der Farbempfindung. Wer je im Museum (Tate Modern) in London längere Zeit in dem Rothko-Raum gesessen hat und erlebt hat, wie die rostrot/schwarzen Bilder zu pulsieren und zu leben beginnen, weiß, wie geheimnisvoll abstrakte Bilder sein können. Es ist kein Zufall, dass Marianne Bauer Rothko als ihren Lieblingsmaler benennt.

Für Marianne Bauer heißt Malen vor allem das Finden der eigenen Identität. Ihre rational und logisch konstruierten seriellen Farbkompositionen wirken auf den aufgeschlossenen Betrachter poetisch und von einem irrationalen Licht erfüllt, vermitteln aber zudem die Botschaft, die über das farbig-formale Ereignis des Bildes hinausreicht. Es ist die Erfahrung der Stille, der Einfachheit und der meditativen Versenkung, die die ruhig modellierten und von einem sanften, wie von innen kommenden Leuchten erfüllten Farbräume vermitteln.

Marianne Bauer hat mit ihren Bildern einen Weg beschritten, bei dem sie mit Hilfe der Farbe das numinöse, seelenhafte der Farben aufzeigen und festhalten wollte. Dieses Ziel wird bei den aus einer Farbe abgeleiteten Bildern, etwa den gelben oder roten Reihen besonders deutlich. Gerade die Verwendung von nur einer Farbe – etwa des Rot, des Gelb oder des Grau – in seinen verschiedenen Abstufungen gibt der Leitfarbe das eigentliche Leben und die Farbe erzeugt zugleich etwas Geheimnisvolles, das man zuvor noch nie in ihr entdeckt haben mag.

Bei Marianne Bauers Farben ist jede Farbabstufung individuell gemischt und auf die nahe liegende Farbe oder die Komplementärfarbe abgestimmt. Farbsequenzen in horizontaler und vertikaler Richtung scheinen mathematischen Gesetzen zu folgen und sind exakt aufeinander bezogen. Die kleinste Abweichung würde dem Betrachter sofort als Fehler ins Auge springen und die Harmonie einer Farbe stören und das Bild zerstören. Um dies zu leisten, ist eine sehr genaue Fähigkeit, Farben in ihren Nuancen zu erkennen und zu erleben, notwendig, und diese Gabe ist Grundlage aller Arbeiten, die ihre Harmonie, aber auch ihre Spannung nach vielen Jahren des Betrachtens nicht verlieren.

Die Arbeiten wurden nach ihrem Entwurf und ihrer Komposition mit Mustern und Zwischenschritten in vielen Arbeitsgängen fortentwickelt, bis sich die gewünschte Präzision und Wirkung einstellte. Bei den Arbeiten, die mehrere Farben in ihren Abstufungen und Beziehungen zueinander setzen, ist diese Aufgabe noch einmal mehrere Komplexitätsgrade aufwendiger, und was bei dem fertiggestellten Bild gerade wegen der erzielten Harmonie so einfach und selbstverständlich wirkt, ist immer Ergebnis langer Überlegung und Arbeit mit den Farben.

Die Endfassungen der Arbeiten sind sämtlich in Acryl auf Leinwand umgesetzt. Dabei bedarf der Erwähnung, dass die handwerkliche Umsetzung bei den meisten Bildern durch Marianne Bauers Ehemann Heinz Bauer erfolgte, der die Bilder mit großer Geduld, Hingabe und Präzision nach den Vorgaben von Marianne Bauer ins Werk setzte. Diese Arbeitsweise ist keineswegs außergewöhnlich, sondern auch von anderen Künstlern wie Sol LeWitt und Bridet Riley bekannt, die die von ihnen geschaffenen Arbeiten nach genauen Vorgaben von „Assistenten“ fertigen lassen.


Objekt-Nr. 1763
Preis: 1300 Euro
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