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Schneck Josef

Schneck Josef

Josef Schneck
1947 Spiegelau -
Technik: Öl / Leinwand
Format: 60cm * 50cm
Signiert
Datiert: 1980
Bildtitel: Holzarbeiter
Rahmung: Rahmenleiste


Eine witzig jeansbekleidete Skulptur aus Kirschbaumholz weist den Weg in ein farbenfroh buntes, expressiv-ausdrucksstarkes Reich. Eindrücke mit Ausdruck, wohin das Auge schweift. Eine alte Frau bückt sich, lugt durchs Schlüsselloch, eine gut vorstellbare Szene, wie aus dem Leben gegriffen. Wir schauen in die Welt des Künstlers Josef Schneck. Wer den Schlüssel zu seinen Bildern findet, dem weitet sich schnell der Blick.

Der Mensch steht im Mittelpunkt, klobige, knochige, zerschundene Hände, kantige, zerfurchte Gesichter, gezeichnet vom Leben. Es ist der Menschenschlag des Bayerwaldes, der hier Modell gestanden hat. Die Themen freilich sind universal: Angst, Traurigkeit, Leid, Hoffnung, Freude, Lust. Schnecks Figuren lassen keine Emotion missen. Nichts Menschliches ist ihm fremd. Viele der Arbeiten der letzten Jahre sind auch kritische Kommentare zur Gegenwart, zu den Auswüchsen der Gesellschaft. Menschen mit langen Nasen, der Tanz ums Goldene Kalb, die Ministranten beim Kartenspielen, die den Gekreuzigten verhöhnenden Menschenmassen, Scheinheiligkeit und Janusköpfigkeit, Menschen, die in den Spiegel blicken und dort Fratzen sehen. Viele der Bilder tun weh, gehen unter die Haut. Überdeutlich ist die Anklage. Doch Schneck gibt auch der Freude Ausdruck. Die Welt ist ein Ringelspiel, bei dem Gut und Böse mittun.

Beinah ungestüm gießt der Künstler die Welt in Formen. Doch was so unvermittelt, so urgewaltig sich Bahn zu brechen scheint, ist gewachsen, schwanger gegangen über längere Zeit und gut durchdacht. Das buchstäblich Schöne, das Abbild, das alle Details fasst, ist Schnecks Ziel nicht. Er sucht zu den Dingen dahinter, zum Innersten vorzudringen, dabei oft genug und mehr als ihm lieb ist sein eigenes Innerstes nach außen kehrend. Drehen und wenden, auf den Kopf stellen. „Es muss mir eiskalt den Rücken runterlaufen. Dann bin ich zufrieden“, sagt der Künstler und: „Ich mache das, was ich mache, und ich muss in den Spiegel schauen können und ein ehrliches Gesicht entdecken können.“

Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, so könnte man das Lebensmotto Schnecks schlechthin benennen. Er redet geradeheraus und ohne überflüssiges Blabla.

Er ist kein akademischer Maler. 1971 musste der 1947 in Spiegelau geborene Josef Schneck die Bäckerei des früh verstorbenen Vaters in Spiegelau übernehmen. 1975 zog es ihn aber in die Glasfabrik Riedlhütte. „Ich hoffte hier, meine künstlerischen Ambitionen etwas ausleben zu können. Zwölf Jahre war er Glasmacher. Nebenbei beschäftigte er sich intensiv mit Malerei, belegte Fernkurse und betrieb Selbststudium.

1987 wagte er den Schritt in das freie Künstlerdasein. Mit seiner Frau und zwei Kindern in Riedlhütte lebend, kein einfacher Schritt. Aber es klappte. Er fand die Menschen, denen seine Kunst gefiel. Er konnte nicht nur für, sondern auch von der Kunst leben.

Den fehlenden akademischen Werdegang hat man ihm bisweilen vorgehalten. Aber viele Wege führen zu Meisterschaft. Schnecks Akademie ist das Leben, seine Seminare sind die Studien der Menschen rings um ihn. Schon in der Glasfabrik hat er in den Arbeitspausen die schnupfenden, Pfeife rauchenden, Brotzeit machenden Kollegen skizziert. Seit Jahren macht er täglich seine „Hausaufgabe“, füllt Skizzenheft um Skizzenheft. Es sind Bildgeschichten des Alltags, oft Vorstufen für spätere Ölbilder. Im überfüllten Atelier lässt sich Buch um Buch aufschlagen. Sein lebenslanger Lehrer ist der Zweifel, sein Ratgeber die Skepsis und sein ständiger treuer Begleiter ist der Glauben an das Gute. Trotz mancher Enttäuschung, trotz „vieler Bauchlandungen“ sucht er die guten Stimmungen und oft genug schaut ihm dabei die Harmonie über die Schulter. Dann verspürt er ein Kribbeln und begibt sich in Klausur, auf Wanderung ins eigene Ich, um das Menschsein zu begreifen.

„Schläge muss man aushalten. Mein Arbeiten ist oft auch ein Verarbeiten menschlicher Enttäuschungen, persönlicher Probleme.“ Zweimal ist er „dem Tod von der Schaufel gesprungen“, einen Herzinfarkt und einen schweren Infekt hat er überstanden und ist darum froh um jeden Tag, der ihm geschenkt ist. Wiedergenesen hat er die Erkrankungen auch in vielen Bildern aufgearbeitet.

Schneck passt in keine Schublade und vorschnelle Kategorisierungen verbieten sich. Er drückt sich in vielen Techniken aus: Zeichnungen, Holz- oder Linolschnitte, Aquarelle und sehr gerne Öl auf Leinwand. Besonders hervorzuheben sind seine per Zufall entdeckten und nun ureigensten Mischtechniken auf Kork. Der lebendige Untergrund, mit Tusche, Fettkreide und Pastellfarbe bemalt, entwickelt einen anziehenden Reiz. Seine hier geschaffenen Akte zählen zu den stärksten Arbeiten seines Schaffens. Der die Figuren umrandende kräftige farbige Strich ist ein Marken- und Ausrufezeichen, das Schneck auf fast allen seinen Bildern setzt. Nicht vergessen werden dürfen seine Skulpturen in Holz, Stein oder Metall.



Objekt-Nr. 1335
Preis: Euro
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